Brasilien 2008: Brasilia
13. Dezember 2008 | Abgelegt unter Unterwegs
Auf dem Weg zum Amazonas gab es noch einen Zwischenstopp in Brasilia, der 1960 eingeweihten, am Reissbrett entstandenen Hauptstadt im Landesinneren. Neben dem in Brasilien quasi omnipräsenten Oscar Niemeyer, der für die Architektur der Gebäude verantwortlich zeichnet, hat sich hier Lucio Costa für die Stadtplanung ausleben können, und dabei ein ziemlich einmaliges Konzept umgesetzt hat. Der zentrale Bereich der Stadt verläuft symmetrisch an einer Achse entlang (Eixo Monumental), hier gibt es jeweils 2 parallel zur Achse angelegte Sektoren für verschiedene Zwecke: Regierung, Banken, Organisationen, Hotels, Shopping & Unterhaltung. Innerhalb der Sektoren gibt es prinzipiell nur Gebäude der vorgesehenen Art. Von der Achse nach Norden und Süden gehen dann die beiden Flügel aus, in denen die Wohngebiete liegen, jeweils eingeteilt in “Superquadras”, also größere Blöcke, zwischen denen sich jeweils wieder kleine kommerzielle Minizentren finden.
Ein recht interessantes Konzept, das allerdings nicht 100% der brasilianischen Mentalität entspricht, daher gibt es an vielen Stelen brasilianischen Wildwuchs in Form von kleinen Ständen oder Shops, die dem lokalen Bedarf entspringen. Ebenso ist die strikte Trennnung von Verkehr und Fussgängern nicht so praktikabel, daher gibt es gut ausgelegte Trampelpfade, die einem einen nicht vorgesehenen Weg durch den Strassendschungel bieten.
Nachdem die Stadt 1960 vom visionären Präsidenten Juscelino Kubitschek eingeweiht wurde, ist leider eine Menge passiert, und nicht alle Gebäude wirken nach fast 50 Jahren noch gut erhalten. An einigen Stellen bröckelt und blättert es schon, und so bekommt das perfekt geplante einen guten Schuss Unvollkommenheit dazu.
Am ersten Abend habe ich in einer berühmten und für lokale Verhältnisse mit 40 Jahren uralten Bar ein paar Leute aus dem Kulturbereich kennengelernt, die mir für den Folgeabend eine Einladung zu einem Empfang mit Oscar Niemeyer gegeben haben. Da konnte ich dann im wunderschönen Museu Nacional tatsächlich den kreativen Kopf hinter der Architektur Brasilias und Gebäuden in vielen anderen Städten Brasiliens und der Welt sehen. Mit 101 immer noch recht agil und geistig fit, sehr beeindruckend und dabei angenehm altersweise und unaufgeregt.
Fotos vom (leider etwas verregneten) Aufenthalt hier gibt es hier.








