T-Bashing, jetzt Neu und in Farbe
5. April 2008 | Abgelegt unter Arbeit, Geekiges
Es ist nicht so dass ich privat noch nie Probleme mit den Leistungen des größten deutschen Kommunikationsanbieters hatte, aber es wäre ebenso falsch zu sagen, dass die Erfahrungen im Vergleich zu den anderen Dienstleistern in Deutschland besonders auffällig waren. Aber als ehemaliger Monopolist und ehemals staatlich finanzierte Behörde ist so ein Großunternehmen ja prädestiniert, als Projektionsfläche für den Ärger und die Frustration der Kunden (und auch Nicht-Kunden) zu dienen. Verbunden mit ein paar weniger populären Entscheidungen zur Strukturierung des Unternehmens wird man so sehr schnell zum beliebt(est)en Sündenbock der Nation.
Natürlich spielt auch die Tatsache, dass ich seit letztem Jahr im Konzern arbeite, eine Rolle darin, dass ich mir ein etwas differenzierteres Bild machen konnte, was denn die großen Herausforderungen für einen solchen Riesen-Betrieb sind, und warum es ggf. an einigen Stellen noch nicht läuft. Je mehr ich darüber lerne, umso mehr verstehe ich auch die andere Seite der Medaille, nämlich ein Unternehmen dass sich in seinen Zielen und Plänen dem Kundenservice verpflichtet und derzeit eine große Menge an Aktivitäten gestartet hat, diesen Zielen auch näher zu kommen. Derzeit noch in kleinen Schritten, aber einen Ozeandampfer kann man ja auch nicht mal eben auf der Stelle wenden.
Warum das ganze Vorgeplänkel?
Seit ein paar Tagen geistert die “Telekom verbietet Magenta” Geschichte durchs Netz. Angeblich will eine Rechtsabteilung der Telekom dem Technik-Blog engadget verbieten, die Farbe Magenta zu verwenden. Die Diskussion um den von engadget erhaltenen und veröffentlichten Brief nimmt seitdem sehr skurrile Formen an, sowohl was Inhalt wie auch Niveau angeht.
Wer sich den Brief einmal durchliest wird sehen, dass es nicht um ein generelles “Verbot” der Farbe Magenta geht, sondern um den spezifischen Einsatz der Farbe für den auf die Mobilfunk-Technik ausgerichteten Teil, und zwar dort v.a. prominent als Logo-Farbe im Wort “mobile”.
Wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich eine Assoziation zwischen engadget Logo und Telekom Markenfarben ist lässt sich bestimmt diskutieren, aber eine gewisse Möglichkeit ist da. Für ein unabhängiges Blog wäre jedoch eine vom Besucher interpretierte Verquickung mit einem der Anbieter im Markt bestimmt ebenso wenig wünschenswert wie für den Anbieter selber, und genau um diesen Sachverhalt ging es.
Es wurde in keinem Satz etwas angedroht oder verboten, sondern auf einen möglichen Interessenkonflikt hingewiesen und eine Zusammenarbeit bei der Lösungsfindung angeboten. Ebenso wurde in dem Brief die Wichtigkeit und Bedeutung von engadget als unabhängigem Branchen-Beobachter und die Qualität der Berichterstattung gewürdigt.
So weit der Sachverhalt.
In den Diskussionen und Reaktionen wird dieser jedoch meist so weit übergeneralisiert, dass am Ende ausser der oben genannten Headline wenig übrig bleibt. Auf so eine polemische und polarisierende Aussage lässt sich natürlich wunderbar polarisierend reagieren. Stilblüten finden sich in den Kommentaren bei engadget genauso wie z.B. auf www.freemagenta.nl.
Neben den eher naiv-niedlichen Allgemeinplätzen wie “Magenta ist viel älter als die Telekom, daher kann die Telekom keine Rechte daran haben” über Spitzfindigkeiten wie “Das Magenta bei engadget ist ein anderer RGB- (oder CMYK-)Tonwert als bei der Telekom” bis hin zu den Politisierern “Keine Firma darf so eine Macht haben” finden sich dann aber auch die gesammelten Telekom-Basher aus Deutschland wieder:
Ich schäme mich als Deutscher für dieses Unternehmen.
So arrogant wie die Telekom ist, wundert mich das nicht.
Sollten sie lieber Geld in besseren Service investieren als in so eine Lapalie.
Bei vielen Kommentaren kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Kommentierenden den eigentlichen Auslöser entweder nicht gelesen oder nicht verstanden haben – oder aber einfach nur in guter deutscher Gruppendeppen-Manier ins rhythmische Klatschen Telekom-Bashen mit einstimmen.
Wenn es dabei um etwas wirklich Wichtiges gehen würde, könnte man dem Ganzen ja noch so etwas wie Grassroots, Bürgerinitiative oder ähnliches abgewinnen, wo ja die schiere Masse durchaus in der Durchsetzung von Interessen eine gewisse Bedeutung hat. Aber für ein Logo und vier Überschriften eine solche Überreaktion – vielleicht sollten da mal Leute drüber twittern …








